Technische Probefahrt

Wie schon angesprochen, sollte die erste längere Probefahrt gleich nach dem Einbau der hinteren Innenausstattung passieren. Am 23.06.2009 gegen 21:00 Uhr war es dann soweit. Micha, Daniel und Angi hinten rein. Ich nach vorne und Motor an. 

 

Um überhaupt fahren zu dürfen, mussten wir spezielle Nummernschilder haben. Die versicherungstechnische Ausstattung der normalen Autohausnummernschilder reicht da nicht aus. Durch die Dekra bekamen wir rote Nummern, die man auch auf Fahrzeugen fahren darf, die keinerlei Zulassung haben. Die Voraussetzung sind zumindest Papiere, und die gibt es ja nur in der Urform für einen kurzen Wartburg.

 

Wichtig für uns war, dass bevor ein Prüfer diesen Wagen in die Hand bekommt, wir mit ruhigem Gewissen sagen können, dass er seine Zeit jetzt investieren kann ohne an sich schlimmen Fehlern aufhalten zu müssen.

 

Wir waren auf der Straße und fuhren das erste Mal aus Hörschel raus. Lauchröden sollte das Ziel sein. Da war nicht viel Verkehr und wenn man schnell genug vorbeihuscht, merken es die Leute erst, wenn wir schon vorbei sind. Denn ganz ehrlich, so etwas erwartet keiner und es braucht schon einen Moment, bis man begreift, was da gerade vorbeigefahren ist. Und das war auch so, bei allen, die am Straßenrand einen Blick auf uns erhaschen konnten.

 

Der Wagen fuhr sich außergewöhnlich gut und ganz anders als erwartet. Da schaukelte nichts, da zog nichts, da klapperte nichts und in den Kurven lag er wie ein Brett. Ich beschleunigte das ein oder andere Mal und nahm die Kurven etwas forscher, nur um zu sehen, wie das Auto reagiert. Nichts störte beim reinen Fahrgefühl. Irgendwas war an der Bremse noch nicht ganz so richtig, da es hinten bei einer Vollbremsung ziemlich schnell blockierte. Aber das sollten dann Stefan und Alex am nächsten Tag einstellen.

 

Dann noch kurz ein Geschwindigkeitstest auf der Geraden, und mal kurz bemerkt, dass er genauso schnell beschleunigt und fährt wie eine normale Limousine. Was wollten wir mehr.

Irgendwie merkte man weder einen Leistungsverlust durch den langen Auspuff noch durch das zusätzliche Gewicht. Achtung es ist kein Rallyewagen, der Vergleich wird nur zum Serienmodell gemacht.

 

Wir stiegen an dem Abend aus und waren überglücklich.

Einen Tag später sollte es richtig losgehen. Stefan und Alex kamen und wir bereiteten die richtige Probefahrt vor. Zettel, Stift und etwas Werkzeug. Fahrtenbuch vorbereiten und los ging die Tour Richtung Sontra/Eschwege. Die Chance, dass ein echter Wartburgfan auf dieser Strecke einen Blick auf uns erhascht, war ziemlich gering. Und wenn schon, dann wird er noch heißer darauf das Auto mal aus der Nähe zu sehen. Wir fuhren ca. 60 km an diesem Tag. Eine Hälfte Stefan und eine Hälfte Alex. Ich saß hinten und schrieb alle Details auf, die wir noch erledigen müssen. Doch so viel war das gar nicht. Schmutzfänger vorne, schleifen in Kurven, Tempfühler geht nicht, Bremslast falsch eingestellt. Und noch so 10 Kleinigkeiten. Nachdem auch Alex und Stefan nun endlich eine große Runde gefahren waren, konnten wir einheitlich sagen, dass dieser Wagen so gelungen ist, wie wir es uns gewünscht hatten. Der Plan war erfüllt.

Die beiden stellten den LAD noch richtig ein, schraubten hier und da und alles war technisch für unser Wissen in Ordnung. In der Zwischenzeit war ich in der Nachbarschaft bei einer Kollegin, um alte Bettlaken für einen Überzug zu holen. Auf dem Weg dahin entdeckte ich eine Waage. Das mussten wir noch unbedingt erledigen, das Gewicht des Fahrzeugs. Ganz wichtig! Wieviel wiegt der nun mehr? Unsere Schätzung lag immer bei ca. 130 kg mehr als eine normale Limousine. Während ich mit dem Besitzer der Waage verhandelte, quietschte es ständig auf der Straße. Stefan und Alex prüften die Bremse.. Ich dacht nur: „Oh, mein Gott, die neuen Reifen!“ aber das müssen die aushalten.

 

Dann holten wir das Auto zur Waage und die Spannung stieg. 

Er schob die Gegengewichte hin und her, bis wir das Ergebnis ablesen konnten:

 

1060 kg, also knapp über 1 Tonne. Das Leergewicht eines Tourist liegt bei 980 kg, also 80 kg mehr als ein Tourist und somit 140 kg mehr als eine Limousine. Das konnte sich sehen lassen. Genau in dem Rahmen, wie wir es immer geschätzt hatten. Wir waren zufrieden.

Zum Glück haben wir auf einen Wartburg Tourist aufgebaut und somit ein höheres zulässiges Gesamtgewicht als Grundlage. Denn dies ist entscheidend für die spätere Personenzulassung. Es bringt nichts ein Auto ewig lang zu machen, um dann schon im Leergewicht mehr zu wiegen, dass man keinen mehr zuladen kann. Denn das zulässige Gesamtgewicht ist immer davon abhängig, wie stabil die Fahrwerkskonstruktion einmal getestet wurde. Nur weil es länger ist, heißt das nicht, dass die Achsen mehr vertragen.

Allerdings gab es auch da früher schon Sicherheiten.

 

 

Dem Vollgutachten bei der Dekra stand jetzt nichts mehr im Weg. Der Termin 3. Juli war gerade mal noch eine Woche entfernt. Wir lagen also genau im Zeitplan.

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© Enrico Martin / Allgemeiner Wartburgfahrerclub Eisenach