Die Karosse

Im Juli 2007 ging es dann an die Karosse. In nur 7 Stunden flogen im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen. Ausgerüstet mit Flex und elektrischen Sägen, zerteilten wir die Karossen.

 

Nachdem wir ausgewählt hatten, welcher Teil wohinkommen soll, ging es ans Sägen.

Jeder der wollte, durfte mal einen Schnitt machen, auch wenn es sehr weh getan hat, wenn man bedenkt, was man da zersägt. Aber ist ja für einen guten Zweck.

Nachdem die neue Karosse das Vorderteil verloren hatte, tranken wir erstmal einen drauf.

Das erste Mal sahen wir jetzt, wie das Auto später auf dem Rahmen wohl wirken würde.

Es war schon phänomenal.

Kaum mit der 2ten Karosse fertig, setzten wir beide Teile das erste Mal zusammen.

 

Der richtig große Augenblick bis zu diesem Zeitpunkt!

Jetzt sahen wir, was wir uns innerlich lange vorbereitet hatten. Wie verläuft das Dach?

Was wir vorher wussten war, dass es total rund ist, und dass in alle Richtungen.

 

Nachdem der Überblick da war, fing Alex sofort mit den Feinschnitten an.

Stundenlang kämpften wir uns Millimeter für Millimeter an die Passgenauigkeit.

 

Zum Schluss merkten wir dann, dass es so erstmal nicht weitergeht, da trotz der Feinschnitte die Dächer zu stark gewölbt waren, dass mindestens 10 kg Spachtel hätten aufgetragen werden müssen. Und an den Übergang gar nicht zu denken.

Nach kurzer Bedenkpause war es klar. Wir brauchen ein gerades Stück Dach. So etwas gibt es bei der Limousine nicht. Dafür hatten wir ja noch die Karosse des Tourist. Genau bei der Dachform gibt es ein ca. 1 m langes Stück, das fast gerade verläuft. Also Säge her.

Nachdem das Dach ab war, gab es erstmal eine ordentliche Pause. Angi hatte bereits den Grill an und alles vorbereitet. Außerdem brauchen kreative Köpfe auch mal eine Auszeit.

Nach der Pause fingen Stefan und Alex an, die Feinschnitte für das Dach in Angriff zu nehmen. Etwas außergewöhnlich aber effektiv.

Danach war der Tag erstmal beendet und die Form des Wagens wurde immer deutlicher.

 

In den folgenden Wochen ging es an die Feinarbeiten. Das Dach bestand nun aus 3 Teilen und wurde zusammengeschweißt. Am Ende waren aber die Höhenunterschiede auf Grund der Wölbung des Wartburgdachs immer noch zu groß. Also beschlossen Stefan und Alex noch eine Blechverplankung draufzusetzen. Dadurch entstand ein Höhenunterschied, den man mit Zinn ausgleichen konnte. Neben der Oberseite des Daches wurden auch unten die nötigen Dachstreben eingezogen und das Bodenblech angepasst und verschweißt.

Unzählige Schnitte und feine Schweißnähte später, fingen wir dann an den Wartburg anzuziehen. Bei den Standardblechteilen war das kein Problem. Diese wurden nur leicht angepasst und saßen somit fast auf Anhieb.

Jetzt begannen wir zu begreifen, welch wuchtiges Ding das wird. Denn erst mit der Außenhaut konnte man sehen, wie groß die Ausmaße später wirken werden. 

Der große Mittelteil wurde durch 2 zusammengesetzte Türen geschlossen. Eigentlich eine große Tür, aber später soll sie auch fest verschlossen sein.

Das Problem mit der Tür war, wir mussten genau überlegen, wie wir später die Scheibe reinbekommen sollen und auch irgendwann mal wieder wechseln können. Da wir den Schnitt der Karosserie wie beim Serienmodell nicht verändern wollten und die Linie so bleiben sollte, wie sie in Echt auch ist, entschieden wir uns das Teil prinzipiell als Tür zu lassen und später mit Winkeln fest mit der Karosse zu verschrauben, um sie einfach in 10 Jahren auch nochmal aufzubekommen. Es wurden Fensterrahmen angepasst und alles millimetergenau platziert.

Kaum damit fertig, machte ich die ersten Erfahrungen meines Lebens mit dem Verzinnen. Die anderen hatten geschweißt und ich war jetzt auch mal wieder an der Reihe. Es dauerte doch einige Tage, bis ich in der Lage war, durch Tipps von Karosseriebauern etwas zu verzinnen.

Cm für cm kämpfte ich mich jetzt 3 Wochen lang über das Dach und alle anderen Stellen.

Zum Schluss sah alles gar nicht mal so schlecht aus und wir waren alle mit unserer Arbeit zufrieden. Dann wurde geschliffen, was das Zeug hält.

Nach all diesen Arbeiten machten wir uns jetzt Gedanken wegen der Sitzaufteilung.

 

Wir entschlossen uns die Rückbänke entgegengesetzt anzubringen und nicht wie in Stretchlimousinen üblich auf der Seite. Dies ist erstens einfacher bei der Abnahme und 2tens sieht es besser aus, als wenn bei einem Wartburg alle auf einer Seite sitzen. Oder habt ihr noch nie einen einseitig beladenen Wartburg gesehen? Der geht ganz schön in die Knie.

 

Dabei war das Wichtigste die Haltepunkte für den Gurt. Diese sind geprüft und dürfen nicht nach Belieben in einer Karosse angeschweißt werden. Also musste alles so angeordnet werden, dass wir die Originalhaltepunkte mit einbeziehen.

Dann kam der Michel ins Spiel. Denn wenn wir glaubten, dass nur Alex und Stefan gute Schweißer sind, da hatten wir die Rechnung noch ohne Michel gemacht. Wie ein Schönheitchirurg brutzelte der Michel mit einer Gelassenheit die ganzen Feinarbeiten an dem Auto, dass man sich nur so wundern konnte. Es sind halt doch alles kleine Eisenbiber.

 

So war das Gestell für die 2te Sitzbank dann drin und sämtliche Löcher, Übergänge und Eckchen verschweißt.

Im September 2008 kam der Wagen das erstemal an das Tageslicht. Eigentlich nur um die Werkstatt aufzuräumen und Platz für den nächsten großen Akt zu schaffen. Die Vorbereitungen für den Lackierer. (Man darf nicht vergessen, dass wir jetzt schon 2 Heimweh Treffen in der Zeit des Karossenbaus hatten.)

Kaum hatten wir die Karosse vom Fahrgestell getrennt, sahen wir, dass es untenrum auch noch einiges zu tun gab. So war zum Beispiel der Schweller vorne auf einer Seite leicht lädiert und musste fachmännisch ausgebessert werden. Doch das waren wieder die schönen Aufgaben für Alex und Michel. Zack lag die Karosse auf der Seite und die Feinarbeiten untenrum konnten beginnen.

Als das durch war stand, ich schon mit dem Pinsel und Elaskon Unterbodenschutz bereit. Nach 2 Anstrichen war alles wie gewünscht geschützt.

Jetzt noch schnell ein Transportfahrgestell für den Lackierer zusammengeschweißt und schon konnte es losgehen zum Lackierer. Genau pünktlich vor der Winterpause.

 

Nach 26 Monaten seit der Grundidee stand jetzt eine fertige Karosse vor uns, die nur noch Farbe brauchte. Eine wahre Puzzlearbeit, die uns im wahrsten Sinne noch näher zusammengeschweißt hatte.

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© Enrico Martin